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NANZDIETSCHWEILER Innenminister informierte
sich über Dorfmoderation
Bevölkerungsrückgang als
Folge rückläufiger Geburtenzahlen, Wegzug junger Menschen aus den ländlichen
Regionen näher an die Ballungsgebiete, bessere Infrastruktur und
Verkehrsanbindung: Mit dem Begriff „Demografischen Wandel“ wird dieser für
ländliche Regionen bedrohlichen Situation bezeichnet. Ein Trend, der bislang
nicht gestoppt werden konnte und in Extremsituationen zum Ausbluten des
ländlichen Raumes führen kann.
Ob ein Dorf nun 1000
Einwohner hat oder auf 800 schrumpft: Gewisse Strukturen müssen vorgehalten
werden, bestimmte Kosten bleiben dennoch bestehen, müssen nur von weniger
Einwohnern bezahlt werden. Die unausbleibliche Folge: Es wandern noch mehr
Leute ab, eine Spirale ohne Ende.
Doch es nutzt nichts, die
Thematik immer wieder zu beschwören, denn davon wird bekanntlich nichts
besser. Die Kommunalpolitik hat die Problematik erkannt und sucht nach
Lösungen. Eine der Ortsgemeinden, die schon relativ früh sich diesem Thema
gewidmet hat, ist Nanzdietschweiler. Aus drei Ortsteilen bei der Gebiets-
und Verwaltungsreform 1969 zu einem Ort verschmolzen, gibt es im Vergleich
zu manchen Ortsgemeinden doch Unterschiede, zumindest in der Art, wie das
Problem der demografischen Entwicklung angegangen werden kann. Mit
Ortsbürgermeister Martin Holzhauser und seinem aufgeschlossenen
Ortsgemeinderat, den Planern Andreas Hartenfels und Klaus Dockendorf, einer
sehr guten Kooperation mit der Verbandsgemeinde und hier insbesondere
Verbandsbürgermeister Klaus Müller sowie dem Landkreis Kusel ist die
Gemeinde vorgeprescht und das sogar auch in finanzieller Hinsicht.
Letzte Woche hielt sich
Innenminister Karl-Peter Bruch in Nanzdietschweiler auf, ließ sich vor Ort
informieren über die Planungen der Kommune und war begeistert.
Ortsbürgermeister Martin
Holzhauser begrüßte den Gast aus Mainz, die beiden Landtags-Abgeordneten
Marlies Kohnle-Gros und Jochen Hartloff, Landrat Dr. Winfried Hirschberger,
Verbandsbürgermeister Klaus Müller sowie den Planer Andreas Hartenfels.
Holzhauser erläuterte, was die Ortsgemeinde bisher in Sachen Dorfmoderation
bereits in Angriff genommen habe. Für ihn sei die Belebung des Ortskernes
eine vordergründige Sache, das Wohnen müsse familienfreundlich sein. Ein
Dorfmittelpunkt müsse Treff für den ganzen Ort sein, hier müsse Leben
herrschen. Und Nanzdietschweiler habe einen solchen Platz, denn mit
Kurpfalzhalle und Sportplatz sowie dem naturnahen Erlebnis-Kinderspielplatz
sei schon die Basis dazu vorhanden. Mit Heinz Frey habe sich die
Ortsgemeinden einen fachkundigen Mann ins Boot geholt, der in Sachen
Dorfmoderation über einen großen Erfahrungsschatz verfüge und notwendige
Veränderungen schon bei zahlreichen Beispielen mit Erfolg praktiziert habe.
Was jetzt noch fehle, sei
ein Dorfladen, der ein echter Mittelpunkt darstellen könne und nicht nur auf
Lebensmittel beschränkt bleiben solle, sondern auch andere zentrale Fragen
in diese Planung mit einbeziehe, so z.B. Arzt, Post und andere Dinge des
täglichen Lebens.
Landschaftsplaner Andreas
Hartenfels zeigte anhand eines Dia-Vortrages, was in der Ortsgemeinde
bislang erbracht wurde. Die demografische Entwicklung böte nicht nur
Gefahren, sondern auch Chancen. Es sei zwar unbestritten, dass die
Bevölkerung überaltere, weil es die jungen Menschen in andere Regionen zöge,
doch seien mittlerweile Lösungsansätze vorhanden. Diese bestünden in dem
Ausbau und dem Beleben der Ortskerne, dem Instandhalten von Straßen und
anderen Einrichtungen, die den Wohnwert deutlich erhöhen. Dazu sei es
notwendig, die Innenentwicklung der Ortskerne wieder zu beleben, denn hier
könnten sich die Bürgerinnen und Bürger treffen, miteinander kommunizieren
und sich auch gegenseitig zum ehrenamtlichen Engagement ermuntern.
Nanzdietschweiler könne hier in der Tat als Vorzeigegemeinde bezeichnet
werden, denn die öffentlichen Maßnahmen der Ortsgemeinde hätten auch bereits
Initialzündung bewirkt und Bürgerinnen und Bürger zu privaten Investitionen
veranlasst, die dem Ortsbild zugute kämen.
Auch in Sachen Tourismus
sei man in Nanzdietschweiler auf einem guten Wege. Eine sehr positive
Einrichtung sei der naturnahe Erlebnis-Spielplatz und der geplante
Multifunktionsplatz könne die positive Ausstrahlung nur vergrößern. In
Sachen Dorfladen werde von Heinz Frey im Sommer ein Gutachten hinsichtlich
der Machbarkeit erstellt und danach würden weitere Maßnahmen diskutiert.
Landrat Dr. Winfried
Hirschberger attestierte der Ortsgemeinde, dass sie mit ihren Ideen und
Aktivitäten zu den Vorreitern gehöre. Derzeit befänden sich die Positionen
im Wettlauf mit der Zukunft. Nanzdietschweiler habe sicherlich mit der
Konzentration auf den Ortsmittelpunkt ein sehr gutes Konzept.
„Nanzdietschweiler lebt“,
so stieg Verbandsbürgermeister Klaus Müller in seine aktuelle Bewertung ein.
Er verwies darauf, dass sich ein sehr gutes Zusammengehörigkeitsgefühl
entwickelt habe, das auch eine gute Basis für die bevorstehenden Aufgaben
bilde. In fast allen Bereichen werde Hand in Hand gearbeitet. Die
Verbandsgemeindeverwaltung werde jetzt das Thema „Leerstandsproblematik“
angehen. In diesem Zusammenhang wies Klaus Müller auf das
Finanzierungsangebot der Verbandsgemeinde für Bürgerinnen und Bürger hin,
die ein Gebäude im Ortsinnern erwerben und umbauen anstelle wie in der
Vergangenheit einen Bauplatz im Neubaugebiet am Rande des Ortes zu
favorisieren. In Ergänzung der Maßnahmen, die für die Dorfmoderation wichtig
seien, plädierte Klaus Müller für den schnellen Ausbau der innerörtlichen
Straßen, die noch nicht in Angriff genommen seien.
Innenminister Karl Peter
Bruch zeigte sich zunächst von dem Interesse der Bevölkerung beeindruckt,
Man habe in Ortsbürgermeister Martin Holzhauser und dem Planer Andreas
Hartenfels zwei Persönlichkeiten, die engagiert und mit Sachverstand an die
Sache rangingen. Vor dem Hintergrund des bisher Geleisteten und dem
Interesse an weiterer Gestaltung sagte er seine Unterstützung, auch in
finanzieller Hinsicht, zu, denn „Es soll Sinn machen, in Nanzdietschweiler
zu leben“. Und noch ein Umstand beeindruckte ihn: Wie von der Orts- über die
Verbandsgemeinde hin bis zum Kreis an einem Strang gezogen werde. Darin,
dass man die Dinge ganzheitlich in Angriff nehme, sehe er sehr gute Chancen.
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